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Donnerstagnacht 4Uhr 20. Es tutet in der Wohnung. Aber ein Tuten, dass ich so gar nicht kenne und...

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Altersvorsorge

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Das Haus in Brandenburg

Micha will sich ein Haus kaufen. In Brandenburg. Micha, der schon seit Jahren und bislang noch ohne greifbares Ergebnis überlegt, ob er sich mal eine eigene Blumenvase kaufen sollte, ist plötzlich fest entschlossen, ein Haus zu kaufen. In Brandenburg. Für die Familie. Das ist eine großartige Idee. Findet Micha.

So großartig, dass er einige entscheidende und elementare Fragen, die sich so rund um einen Hauskauf auftun, noch gar nicht so richtig bedacht hat.

Fragen wie:

«Warum?» Micha starrt mich fassungslos an.

«Wie warum?»

Ich präzisiere:

«Warum willst du das Haus kaufen?»

«Na, weil das total billig ist.»

«Wie billig?»

«Na, billig eben, jetzt gerade auch im Vergleich.»

«Im Vergleich zu was?»

«Na, jetzt so zu anderen Häusern oder einer Wohnung in Berlin.»

«Wieso ist denn eine Wohnung in Berlin so viel teurer?»

«Na, weil Wohnungen in Berlin total begehrt sind, während diese Häuser in Brandenburg, die … die … na, die sind halt billig.»

«C4-Gewinde-Fräsen-Drehbänke sind im Moment auch total billig. Willst du auch eine C4-Gewinde-Fräsen-Drehbank kaufen?»

«Was? Wieso sollte ich?»

«Siehste.»

«Ach, im Wesentlichen ist es ja wegen der Familie.»

«Claudia möchte aufs Dorf ziehen?»

«Ja, jetzt nicht unbedingt, aber sie findet es auch nicht so schlimm.»

«Was ja auch nicht mehr so schlimm ist, ist Fußpilz. Das kann man mittlerweile relativ einfach behandeln.»

«Für die Kinder ist es in jedem Fall viel schöner, wenn sie im Garten spielen können und nicht ständig nur vor dem Computer hocken oder so.»

«Hmm. Sehen die Kinder das auch so?»

«Na ja, die müssen sich natürlich erst einmal daran gewöhnen, dann mehr Zeit im Garten zu verbringen als vor dem Computer.»

«Ach so, ist klar. Gott, was bin ich froh, nicht dabei zu sein, wenn die sich daran gewöhnen müssen. Bist du dir wirklich sicher, dass du das Haus wegen der Familie kaufen willst?»

«Natürlich, also zumindest teilweise.»

«Du meinst wegen des Teils der Familie, der du bist?»

«Sehr lustig.»

«Hat das Dorf überhaupt DSL?»

«Wie?»

«Na, es gibt in Brandenburg schon hier und da Orte, die haben noch kein DSL.»

«Was? Nein, nein, da gibt’s DSL, da … bestimmt, ich glaub, die haben da mehr DSL, als sie brauchen.»

«Und Nazis? Gibt’s da Nazis?»

«Nee, nee, Nazis sind da in der Ecke überhaupt keine.»

«Sagt wer?»

«Na, der Mann, der das Haus verkaufen will.»

«Ach, da ist der Mann aber bestimmt froh, dass es da keine Nazis gibt. Sonst müsste er das Haus ja bestimmt total billig verkaufen.»

«Genau. Ich meine, das wäre ja auch …» Micha stutzt. Man kann seine Gedanken förmlich knarzen hören. Dann jedoch wird er plötzlich laut:

«Mann, was soll denn das? Hör mal, das ist doch nicht aus der Welt. Du tust ja so, als wenn das werweißwo wäre. In nur zwanzig Minuten ist man mit dem Fahrrad an der Regionalbahn und dann in nicht mal einer Dreiviertelstunde in Berlin.»

«Das ist allerdings super. Diese Nähe zu Berlin. Das hat man ja sonst praktisch nirgends, also außer vielleicht … na ja, in Berlin, da hätte man das eventuell schon auch, oder?»

«Dafür hast du in Berlin keine Natur.»

«Hör mal, ich bin genauso schnell da draußen wie du hier drinnen. Die Regionalbahn fährt auch andersrum. Und das Beste: Falls es mal regnet, muss ich da gar nicht hinfahren.»

«Mein Gott, wir behalten die Wohnung in Berlin natürlich auch.»

«Oh, dann ist es aber nicht mehr so billig.»

«Erst mal nicht, aber auf lange Sicht schon.»

«Auf lange Sicht ist es günstiger, zwei Sachen zu bezahlen?»

«Nein, aber im Alter, wenn Berlin zu teuer ist, können wir dann auf dem Land wohnen.»

«Im Alter?»

«Ja, wenn wir achtzig sind oder so.»

«Stimmt, dann ist es sicher total angenehm, zwanzig Minuten im Regen mit dem Fahrrad zur Regionalbahn zu fahren. Oder zur nächsten Pflegestation …»

Micha springt auf, stampft mit den Füßen auf den Boden und beginnt mich zu beschimpfen: Alles würde ich ihm vermiesen, immer nur die Probleme sehen. Dann kaufe er das Haus eben nicht, ich hätte später die Schuld, das könne er mir aber versprechen, dass ich dann später die Schuld hätte, und ob ich das eigentlich mit Absicht machen würde, dieses Anderen-immer-alles-vermiesen-Wollen.

«Danke», brüllt er, «dass du mir den Tag versaut hast! Danke, danke, danke!!!», und poltert agil fluchend aus dem Lokal.

Ich rufe Claudia an: «Hallo, Claudia, ich bin’s. Ja, er wankt zumindest. Wenn du und die Kinder jetzt noch ein wenig nachlegt, müsst ihr vielleicht doch nicht in dieses Dorf nach Brandenburg …

Keine Ursache … gern geschehen … Tschüs.»

Früher haben mich höchstens alle halbe Jahre mal Freunde oder Freundinnen gebeten, mit ihren jeweiligen Partnern zu reden, weil die plötzlich irgendwelche saubilligen Häuser oder Bauernhöfe in Brandenburg kaufen wollten. Mittlerweile passiert das fast jede Woche.

Wenn das so weitergeht, kann ich meine Anti-Makler-Tätigkeit bald als Gewerbe anmelden. Von den Gewinnen kaufe ich mir dann vielleicht ein Haus in Brandenburg.

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