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Zwei Plätze für Scholz

Montagmorgen, 11.00Uhr. Bin schon seit drei Stunden wach, sitze auf dem Sofa und starre auf meine Liste mit all den Sachen, die ich heute erledigen will. Bin extra um 8 Uhr aufgestanden, um mal alles fertig zu kriegen. Stattdessen sitze ich auf dem Sofa, starre auf die Liste und denke nichts anderes als: «Oh Gottegottegott, is das viel Zeugs, das kann man ja gar nicht schaffen, das schafft ja keiner, mannmannmann, du hast aber viel zu tun immer, und das wird auch nich weniger, jetzt biste schon seit 8 Uhr auffe Beine und is immer noch so viel zu tun,jungejungejunge, wie früh sollste denn noch aufstehn?»

Auf der Liste steht nichts, aber auch überhaupt nichts, was mir irgendwie Spaß machen könnte.

Überlege auch schon seit drei Stunden, was ich machen könnte, damit ich nichts von der Liste machen muss, ohne deshalb ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ich könnte die Bücher im Bücherregal nach Größe sortieren. Das hätte immerhin den Vorteil, dass mir das bestimmt nicht gefallen würde und ich das nächste Mal, wenn ich wieder vor so einer Liste sitze, sie zurück nach Alphabet sortieren könnte.
Das ist prima. Nehme 20 Bücher aus dem Bücherregal, lege sie auf den Boden, verliere die Lust, gehe wieder zum Sofa und schreibe «Bücher zurück ins Regal räumen» mit auf die Liste.

Puh, jetzt bin ich aber auch kaputt. Wär eigentlich mal Zeit für ’ne Pause, aber geht nicht, so viel Arbeit wie ich hab. Das Gewissen macht mir ganz schön zu schaffen, wenn mir nicht sofort was anderes einfällt, muss ich mit der Liste anfangen. Diesen Druck wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht.

Beschließe erst mal, die Liste fein säuberlich am Computer abzutippen. Prima Idee. Das sieht ordentlich aus, gut organisiert und entlastet das Gewissen, weil: Am Computer sitzen hat immer was von echter Arbeit.

Hey, das geht gut voran. So jetzt ausdrucken, was hamm wir denn da? Ei, die Liste ist ja man grad nur ’ne knappeDIN-A4-Seite lang. Das ist enttäuschend. Mehr ist das nicht? Na, wolln wir doch mal sehn!

Ich wähle den Schrifttyp 10 Stufen größer, verdoppele den Zeilenabstand und drucke erneut aus. Ha, dreieinhalb Seiten mit lauter Sachen zu erledigen. Boarhh, hab ich viel zu tun. Ich armer Mensch. Und das, obwohl ich schon seit vier Stunden schufte wie ein Tier.

Mannmannmann, aber ich klage nicht. Ich pack es an. Ich bin eben ein Macher, ein Arbeitstier, ein richtiger Malocher. Jetzt geht’s los, aber frag nicht nach Sonnenschein, jetzt …

Das Telefon klingelt. Schade, ich war so dicht dran. Na, kann man nix machen.

“Ja hallo, hier Evers?”

“Ja guten Tag, ist da die Busreisefirma Bussmann?”

“Oh nein, da sind Sie falsch …”

“Wir würden gern zwei Plätze buchen, für die Fahrt nach Tirol im September.”

“Nee, das geht nicht, Sie sind …”

“Ach is schon voll? Wir hamm den Prospekt erst heut morgen gekriegt. Das is aber komisch.”

“Nee, is nich voll. Is nur …”

“Ja gut, dann zwei Plätze für Scholz.”

“Ich hab keinen Bus!”

“Wie, das ist ja komisch. Na denn halten Sie sich mal ran, bis September is nich viel Zeit.”

“Ich hab auch im September keinen Bus.”

“Im Prospekt steht aber Komfortreisebus mit Klimaanlage, WC und Kaffeebar.”

“Das hab ich alles nich!”

“Kaffeebar muss nich unbedingt.”

“Ich hab keinen Bus.”

“Na ja, vielleicht ’nen kleinen. Gucken Se doch mal.”

“Nein.”

“Na gut. Is ja nich mein Problem, auf alle Fälle möcht ich zwei Plätze buchen. Nach Tirol.”

“Ich fahr nicht nach Tirol.”

“Na, ich wollt sowieso lieber nach Schottland, aber meine Frau sagt, lass uns lieber im deutschsprachigen Raum bleiben, da verstehn wir die Leute wenigstens.”

“Da wär ich mir nicht so sicher.”

“Wo soll ich denn das Geld hin überweisen?”

“Nirgendwohin!”

“Wie, kost das nix? Das is ja komisch.”

“Also gut, wenn Sie’s nicht anders wollen, das kost 1000 Mark.”

“Oi, im Prospekt schreiben Sie aber 199.”

“Das Angebot galt nur bis 11.00 Uhr, jetzt kostet’s 1000 Mark, pro Person.”

“Tja, kann man wohl nix machen, wohin muss denn das Geld?”

Ich gebe auf, gebe ihm meine Kontonummer, lege auf, gehe zurück zum Computer und schreibe «Busfirma gründen» noch mit auf meine Liste. Mann, die Arbeit hört einfach nicht auf.

Materieverdichtung

Acht Uhr morgens. Telefon und Wecker klingeln gleichzeitig. Da weiß man gar nicht, was man zuerst ignorieren soll. Beruhige den Wecker mit einem gezielten Schlag und hebe ab. Es ist Peter.

“Hallo Horst, darf ich dich zum Frühstück einladen?”

“Echt? Klar! Wann?”

“So gegen zehn. Und ähm, ich hab nix im Haus, kannst du alles mitbringen, bitte, bis dann, ciao.”

Ich mag Peters morgendliche Anrufe nicht. Die sind kein guter Start. Das muss doch auch anders gehen. Ein Anruf, über den ich mich morgens freuen würde, wäre zum Beispiel: «Herr Evers, aufgrund einer Materieverdichtung durch das wieder zusammenschrumpfende Universum ist es zu Gravitationsschwankungen in unserem Sonnensystem gekommen, wodurch sich die Erdumdrehung etwas verschoben hat. Um dies auszugleichen, haben wir alle Uhren weltweit um zwei Stunden zurückgestellt und informieren gerade die gesamte Erdbevölkerung davon telefonisch. Es ist für Sie also erst sechs Uhr. Sie können noch zwei Stunden schlafen.»

Das Glücksbrötchen

Montagmittag, ich rufe Thomas an.

“Hallo Thomas, hier is Horst, kannst du vorbeikommen und mir helfen? Ich muss heute noch ’ne Busfirma gründen …”

“Was? Warum?”

“Oh, das is ’ne lange Geschichte. Komm einfach vorbei und hilf mir. Ja, halb drei wäre gut. Müssen wir aber inner halben Stunde fertig sein, weil um drei hab ich einen wichtigen Termin, da brauch ich Ruhe.”

Ich lege auf. Na, hoffentlich ist Thomas pünktlich.

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