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Bewegungsprotokolle

Peter erklärt mir, es gäbe mittlerweile Programme für Smartphones mit denen man fast zentimetergenaue Bewegungsprofile erstellen könnte. Die also bis auf 10 Zentimeter exakt aufzeichnen könnten, wo man überall im Laufe des Tages gewesen ist.

Daraus ergeben sich manchmal erstaunliche Erkenntnisse. In der Wohnung zum Beispiel, wenn man dann anhand eines solchen Bewegungsprotokolls feststellt, dass es einige Flecken, manchmal ganze Quadratmeter in der Wohnung gibt, wo man praktisch niemals langgeht, obwohl da nichts liegt oder steht. Komplett ungenutzter Wohnraum sozusagen.

Theoretisch könnte man dann natürlich diese ungenutzten Flecken in der Wohnung untervermieten, ohne das eigene Leben in irgendeiner Form einzuschränken. Der Untermieter müsste sich nur verpflichten, sich selbstverständlich nur in diesen entsprechend zu kennzeichnenden, ungenutzten Flecken der Wohnung aufzuhalten. Er dürfte sich höchstens durch schnelles Springen von Fleck zu Fleck bewegen, sollte ansonsten aber möglichst niemals irgendein Geräusch machen. Es wäre auch wünschenswert, wenn er sich, falls man mal durch eine dieser ungenutzten Ecken durchgucken will, möglichst schnell duckt oder ausweicht, damit auch der Blick innerhalb der Wohnung nicht leidet.

Bei diesen Bedingungen wird es vielleicht gar nicht mal so einfach, einen Untermieter zu finden, zumal dieser natürlich auch Nichtraucher sein müsste und sich jetzt beispielsweise rund um die Toilette herum vermutlich überhaupt kein einziger ungenutzter Fleck befindet. Aber dafür könnte man ihm ja dann vielleicht mit dem Mietpreis sehr entgegenkommen.

…unkomplizierter wäre es natürlich, diesen ungenutzten Wohnraum als Werbefläche zu vermieten. Aber wer würde denn wofür in meiner Wohnung werben? …

Ich habe natürlich nur sehr wenig Publikumsverkehr in der Wohnung. Aber wenn ich einen Werbeaufsteller oder eine Litfaßsäule in der Wohnung hätte, würde ich womöglich einen Text darüber schreiben. Immerhin. Also vermutlich würde ich sogar ganz sicher einen Text darüber schreiben, denn ich schreibe ja sogar schon jetzt einen Text über diese Litfaßsäule, obwohl ich noch gar keine Litfaßsäule in der Wohnung habe. …

Ob man sich das wohl von der Vermieterin genehmigen lassen muss, wenn man eine kommerzielle Litfaßsäule in der Wohnung aufstellen will?…

Natürlich kann man aber diese Bewegungsprotokolle auch benutzen, um die Orte in der eigenen Wohnung festzustellen, wo man praktisch noch nie war. Und da kann man dann einfach mal hingehen. Das ist dann wie Urlaub in der eigenen Wohnung.

Noch einfacher, also sogar ohne Bewegungsprotokoll, könnte man das für Berlin machen. Ich finde, man sollte mal einen: „Heute geht jeder Berliner mal in eine Ecke von Berlin, wo er noch nie war-Tag machen“. Denn wenn dann wirklich alle mitmachen würden, wäre dann an diesem Tag in der kompletten Stadt niemand, der sich da, wo er grad ist, auskennt.

Das wäre doch eine interessante Erfahrung, wenn mal einen Tag alle fremd wären. Und als Nächstes tauschen wir für einen Tag komplett mit allen Brandenburgern. Also für einen Tag müssen alle Brandenburger nach Berlin und alle Berliner nach Brandenburg. Nur um mal zu schauen, wie sich das dann anfühlt.

Und wenn das gut geklappt hat, tauschen wir mal einen Tag komplett alle mit Polen. Das wären bestimmt tolle Erfahrungen.

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